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  • Zeugen Jehovas: Blutdoktrin geändert – doch wer übernimmt Verantwortung für das Leid der Vergangenheit?

    UNSERE MEINUNG

    Die Führung der Zeugen Jehovas hat am 18. September 2026 ihre jahrzehntelange Blutdoktrin teilweise geändert. Die vier Hauptbestandteile des Blutes – rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplasma und Blutplättchen – können nun nach persönlicher Gewissensentscheidung angenommen werden. Das ist ein bedeutender Schritt. Doch das Verbot von Vollbluttransfusionen bleibt bestehen. Und eine entscheidende Frage bleibt offen: Wer übernimmt Verantwortung für das Leid, das die bisherige Doktrin verursacht hat?

    Eine Doktrin mit schwerwiegenden Folgen

    Über Jahrzehnte vertrat die Sektenführung der Zeugen Jehovas die Vorgabe, dass Vollblut und die vier Hauptbestandteile des Blutes nicht angenommen werden dürfen. Wer eine solche Transfusion ausdrücklich annahm, musste mit Konsequenzen innerhalb der Glaubensgemeinschaft rechnen – bis hin zum möglichen Ausschluss.

    Allerdings galt das Verbot nicht unterschiedslos für sämtliche aus Blut gewonnenen Stoffe. Bestimmte Blutfraktionen, darunter Albumin, Immunglobuline und einzelne Gerinnungsfaktoren, konnten bereits zuvor nach persönlicher Gewissensentscheidung angenommen werden. Gerade diese Unterscheidung macht deutlich, wie detailliert die Sektenführung medizinische Entscheidungen religiös reglementierte.

    Die Folgen der Blutdoktrin konnten dramatisch sein. Menschen lehnten medizinisch empfohlene Bluttransfusionen ausdrücklich ab, obwohl diese in ihrer konkreten Situation möglicherweise lebensrettend gewesen wären. Angehörige mussten mitunter miterleben, wie ein geliebter Mensch starb, obwohl eine Bluttransfusion eine Überlebenschance hätte bieten können. Eltern verloren Kinder, Kinder ihre Eltern. Solche Erfahrungen können Betroffene und Familien über Jahre belasten.

    Wenn medizinisches Handeln an religiösen Vorgaben scheitert

    Wie dramatisch solche Situationen werden können, zeigen die Erfahrungsberichte aus medizinischen Fachberufen, die unsere Initiative dokumentiert hat.

    Ein Bericht schildert den Fall eines 21-jährigen Motorradfahrers, der bei einem schweren Unfall lebensgefährlich verletzt wurde. Nach intensiver Behandlung und der Gabe großer Mengen Blut und Blutprodukte konnte sein Zustand zunächst stabilisiert werden. Anschließend übergaben die Eltern den behandelnden Ärzten eine schriftliche Erklärung, wonach ihr Sohn aufgrund seines Glaubens keine Blut- oder Blutprodukte erhalten sollte. Die weitere Versorgung wurde eingestellt. Der junge Mann starb etwa anderthalb Stunden später. Nach Einschätzung des Verfassers hatte er eine reale Überlebenschance gehabt.

    Ein weiterer Bericht beschreibt eine 27-jährige Frau, die kurz nach einer Geburt schwere Blutungen erlitt. Sie und ihr Ehemann lehnten eine Bluttransfusion ab. Die Frau starb, während sie ihr neugeborenes Kind im Arm hielt. Die beteiligten medizinischen Mitarbeiter waren durch das Geschehen schwer belastet; eine Hebamme konnte die Situation nach Darstellung des Berichts bis heute nicht verarbeiten.

    Diese Erfahrungsberichte sind keine statistische Grundlage für die Gesamtzahl der Todesfälle. Sie zeigen aber konkret, welche menschlichen und medizinischen Konsequenzen eine religiös begründete Ablehnung von Bluttransfusionen haben kann.

    Mehr als 40.000 Todesfälle? Was die Schätzungen aussagen

    Wie viele Menschen infolge der Blutdoktrin gestorben sind, lässt sich nicht zuverlässig beziffern. Die Wachtturm-Organisation hat nach Angaben der Advocates for Jehovah’s Witness Reform on Blood (AJWRB) keine aggregierten Daten zu Todesfällen veröffentlicht, die mit ihrer Blutpolitik in Verbindung stehen.

    AJWRB hat deshalb anhand medizinischer Studien und epidemiologischer Hochrechnungen versucht, die möglichen Auswirkungen abzuschätzen. Für den Zeitraum von 1961 bis 2016 nennt die Organisation je nach Berechnung rund 33.000 bis 46.500 mögliche zusätzliche Todesfälle. Die Berechnungen beruhen auf klinischen Daten, Annahmen zur Häufigkeit medizinischer Situationen, in denen Transfusionen erforderlich werden, und Hochrechnungen auf die weltweite Mitgliederzahl.

    Diese Zahlen sind ausdrücklich als epidemiologische Schätzungen einzuordnen. Sie sind keine amtlich erfassten Todesfälle und keine individuell überprüfte Liste von Opfern. Die tatsächliche Zahl ist mangels entsprechender Daten nicht bekannt.

    Die methodischen Grenzen solcher Hochrechnungen müssen ernst genommen werden. Sie rechtfertigen jedoch nicht, die möglichen Folgen der Blutdoktrin zu verharmlosen. Medizinische Studien zeigen, dass der Verzicht auf eine medizinisch erforderliche Transfusion in bestimmten Situationen das Sterberisiko erheblich erhöhen kann – etwa bei schwerem Blutverlust oder ausgeprägter symptomatischer Anämie.

    Entscheidend ist deshalb nicht allein die Frage nach einer exakten Gesamtzahl. Entscheidend ist auch, dass verbindliche religiöse Vorgaben Menschen dazu bewegen konnten, potenziell lebensrettende Behandlungen abzulehnen, und dass die Folgen dieser Vorgaben bislang nicht umfassend aufgearbeitet wurden.

    Was hat sich am 18. September 2026 geändert?

    In einem Lagebericht der Leitenden Körperschaft verkündete Geoffrey Jackson die neue Regelung. Die Annahme oder Ablehnung der vier Hauptbestandteile des Blutes aus dem Blut eines anderen Menschen ist nun eine persönliche Gewissensentscheidung.

    Damit können Zeugen Jehovas künftig auch Transfusionen mit roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen, Blutplasma oder Blutplättchen annehmen, ohne allein deshalb gegen die bisherige Vorgabe der Organisation zu verstoßen. Auch die Entscheidung, Blut zu spenden, damit daraus solche Bestandteile oder Blutfraktionen für andere Menschen gewonnen werden, ist nun eine persönliche Gewissensentscheidung. Bereits im März 2026 war die Verwendung des eigenen Blutes, einschließlich bestimmter Verfahren zur Entnahme, Lagerung und Rückführung, in den Bereich der persönlichen Gewissensentscheidung verschoben worden.

    Die Änderung ist bedeutsam. Sie erweitert die medizinischen Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen und kann dazu beitragen, gefährliche Konflikte zwischen medizinisch notwendiger Behandlung und religiösen Vorgaben zu vermeiden.

    Doch es handelt sich nicht um eine vollständige Aufhebung der Blutdoktrin.

    Die Transfusion von Vollblut bleibt weiterhin verboten. Auch die Ablehnung einer Vollblutspende zur Verwendung als Vollbluttransfusion bleibt bestehen. Die Sektenführung hält somit an einem Teil ihrer bisherigen Grundsatzentscheidung fest.

    Hinzu kommt: Eine geänderte Regelung beseitigt nicht automatisch die Folgen jahrzehntelang vermittelter Überzeugungen. Wer gelernt hat, dass die Annahme bestimmter Blutbestandteile die Beziehung zu Gott gefährden könnte, wird eine solche Behandlung nicht zwangsläufig von heute auf morgen als unproblematisch betrachten. Die frühere Lehre kann weiterhin Gewissenskonflikte und Ängste auslösen.

    Die neue Regelung eröffnet also neue Möglichkeiten. Ob daraus tatsächlich mehr Selbstbestimmung entsteht, hängt auch davon ab, ob Mitglieder ihre Entscheidung ohne religiösen und sozialen Druck treffen können.

    Persönliche Gewissensentscheidung – aber keine klare Übernahme von Verantwortung

    Besonders bemerkenswert ist die Begründung, mit der die Leitende Körperschaft ihre Entscheidung erläutert.

    Jackson erklärt, die Bibel äußere sich nicht zu den verschiedenen medizinischen Produkten, die aus Blut gewonnen werden können. Deshalb solle die Leitung nicht über das hinausgehen, was in den Schriften stehe. Die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung der vier Hauptbestandteile werde nun jedem einzelnen Gläubigen überlassen.

    Damit greift die Sektenführung ein Argument auf, das Kritiker der bisherigen Blutdoktrin seit Jahrzehnten vorbringen: Die biblischen Aussagen über Blut enthalten keine ausdrücklichen medizinischen Vorschriften zu modernen Transfusionsverfahren und den einzelnen Blutbestandteilen.

    Wenn die Bibel diese medizinischen Fragen tatsächlich nicht eindeutig regelt, stellt sich zwangsläufig die Frage, weshalb die Sektenführung über so viele Jahrzehnte weitreichende verbindliche Vorgaben gemacht hat. Warum wurde die Entscheidung über potenziell lebensrettende Behandlungen nicht schon früher den Betroffenen überlassen?

    Eine Erklärung dafür, weshalb die bisherige Auslegung geändert wurde, wäre ein wichtiger Schritt. Ebenso wichtig wäre eine Auseinandersetzung mit den Folgen, die diese Auslegung für die Mitglieder hatte.

    Stattdessen wird die Verantwortung nun ausdrücklich den einzelnen Gläubigen übertragen. Sie sollen die verschiedenen Faktoren gebetsvoll abwägen, ihr Gewissen prüfen und sich vor Gott für ihre Entscheidung verantworten. Zugleich betont die Leitende Körperschaft, dass sie nicht Herr über den Glauben ihrer Mitglieder sein wolle.

    Doch genau hier liegt das Problem: Die heutige Betonung der persönlichen Entscheidungsfreiheit steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zur früheren Praxis, in der die Sektenführung ihren Mitgliedern klare Grenzen für medizinische Entscheidungen vorgab.

    Wer jahrzehntelang verbindliche Regeln vertritt, kann sich bei deren Änderung nicht allein auf die Eigenverantwortung derjenigen berufen, die diesen Regeln gefolgt sind.

    Eine Gewissensentscheidung ist außerdem nicht automatisch eine freie Entscheidung. Wenn Menschen befürchten, durch eine bestimmte medizinische Behandlung ihr Verhältnis zu Gott zu gefährden oder ihre religiöse Gemeinschaft zu enttäuschen, kann das erheblichen Druck erzeugen. Auch die Aussicht auf den Verlust sozialer Kontakte kann eine Rolle spielen.

    Echte Selbstbestimmung setzt voraus, dass Betroffene über medizinische Risiken und Behandlungsmöglichkeiten informiert sind und ohne religiöse Einschüchterung entscheiden können. Dazu gehört, dass eine medizinisch empfohlene Transfusion nicht als Zeichen mangelnden Glaubens oder mangelnder Loyalität bewertet wird.

    Keine Entschuldigung, kein erkennbares Gedenken an die Opfer

    Besonders schwer wiegt, was in der Ankündigung der Änderung fehlt.

    Die Leitende Körperschaft spricht über die neue Regelung und ihre biblische Begründung. Sie erläutert, wie Gläubige künftig entscheiden sollen. Doch eine erkennbare Auseinandersetzung mit den Menschen, die unter der bisherigen Doktrin gelitten haben oder gestorben sind, bleibt aus.

    Es fehlt ein Wort des Gedenkens an die Opfer. Es fehlt eine Entschuldigung gegenüber Angehörigen, die einen Menschen verloren haben. Es fehlt eine Erklärung dafür, weshalb an der früheren Auslegung so lange festgehalten wurde. Und es fehlt eine erkennbare Übernahme institutioneller Verantwortung für die Folgen der bisherigen Vorgaben.

    Die Änderung wirft rückblickend eine grundlegende Frage auf: Wenn die Annahme der vier Hauptbestandteile des Blutes nun eine Gewissensentscheidung sein darf, weshalb war sie zuvor für die Mitglieder religiös so stark reglementiert?

    Die Sektenführung muss nicht jede individuelle medizinische Entscheidung ihrer Mitglieder nachträglich bewerten. Sie sollte sich aber mit der Verantwortung für ihre eigenen Vorgaben auseinandersetzen. Dazu gehört, anzuerkennen, dass religiöse Regeln reale Folgen für Leben, Gesundheit und Familien haben können.

    Eine nachträgliche Änderung macht vergangenes Leid nicht ungeschehen. Sie kann auch nicht jene Entscheidungen rückgängig machen, die Menschen unter dem Eindruck der früheren Lehre getroffen haben.

    Für Angehörige und ehemalige Mitglieder, die Menschen durch die Blutdoktrin verloren haben, dürfte die neue Regelung deshalb ambivalente Gefühle auslösen: Erleichterung darüber, dass andere künftig mehr medizinische Möglichkeiten haben – und zugleich die schmerzhafte Frage, weshalb diese Möglichkeiten für ihre eigenen Angehörigen nicht früher bestanden.

    Eine partielle Änderung ist noch keine Aufarbeitung

    Die Änderung vom 18. September 2026 ist ein wichtiger Schritt. Sie erweitert die medizinische Entscheidungsfreiheit und lockert zentrale Vorgaben der bisherigen Blutdoktrin. Das sollte nicht kleingeredet werden.

    Gleichzeitig bleiben wesentliche Fragen offen. Das Verbot von Vollbluttransfusionen besteht fort. Die Entscheidung über die vier Hauptbestandteile wird nun den einzelnen Gläubigen übertragen, ohne dass die Sektenführung die frühere Praxis erkennbar aufarbeitet. Eine ausdrückliche Entschuldigung für das Leid der Vergangenheit oder eine umfassende Übernahme institutioneller Verantwortung ist in der Ankündigung nicht zu erkennen.

    Eine ernsthafte Aufarbeitung müsste mindestens drei Dinge umfassen:

    • Anerkennung des Leids: Die Sektenführung sollte die Erfahrungen der Betroffenen und Angehörigen öffentlich anerkennen und der Menschen gedenken, die infolge der früheren Vorgaben möglicherweise vermeidbar gestorben sind.
    • Transparenz: Die Auswirkungen der Blutdoktrin sollten wissenschaftlich untersucht werden. Dazu gehören nachvollziehbare Daten, eine sachliche Bewertung der medizinischen Folgen und eine offene Auseinandersetzung mit den Grenzen der bisherigen Praxis.
    • Echte Selbstbestimmung: Mitglieder müssen medizinische Entscheidungen ohne religiösen Druck treffen können. Dazu gehört, dass die Annahme medizinisch empfohlener Blutbestandteile nicht mit der Angst vor göttlicher Missbilligung oder sozialen Nachteilen verbunden wird.

    Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, was sich an der Blutdoktrin geändert hat. Sie lautet auch: Ist die Sektenführung bereit, Verantwortung für die Folgen ihrer früheren Vorgaben zu übernehmen?

    Solange eine solche Aufarbeitung ausbleibt, bleibt die Änderung unvollständig. Mehr medizinische Entscheidungsfreiheit ist ein Fortschritt. Sie ersetzt jedoch weder die Anerkennung des vergangenen Leids noch die notwendige Auseinandersetzung mit den Ursachen.


    Weiterführende Informationen und Hilfsangebote

    Die drei Ausgangsbeiträge

    Die folgenden Beiträge beleuchten die Änderung der Blutdoktrin, die möglichen Folgen der bisherigen Praxis und die Belastungen, die religiöse Vorgaben für medizinische Entscheidungen mit sich bringen können.

    JZ Help: Änderung der Blutdoktrin

    AJWRB: Epidemiologische Schätzungen zu Todesfällen

    Erfahrungsberichte aus medizinischen Fachberufen (PDF)

    Weitere Informationen unserer Initiative

    Auf unserer Homepage finden Sie weitere Informationen zu den Zeugen Jehovas, ihrer Glaubenspraxis und kritischen Aspekten der Organisation.

    Unsere Informationen zu den Zeugen Jehovas

    Beratung und Unterstützung

    Wer selbst betroffen ist, Angehörige verloren hat oder sich mit den Folgen der Blutdoktrin auseinandersetzen muss, sollte mit seinen Fragen und Erfahrungen nicht allein bleiben. JZ Help bietet Informationen und Unterstützung für Betroffene.

    Zum Beratungsangebot von JZ Help

    Weitere Beiträge im Skeptix-Blog

    Im Skeptix-Blog finden Sie weitere kritische Beiträge zu den Zeugen Jehovas und zu Entwicklungen innerhalb der Religionsgemeinschaft.

    Weitere Beiträge im Skeptix-Blog lesen


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  • Adolf Hitler, Antisemitismus & radikale Denkmuster

    Aufgewachsen in der OCG: Angst, Gruppendruck und die Verehrung einer Familie

    Susanna ist in der Organischen Christus-Generation (OCG) von Ivo Sasek aufgewachsen. In einem bewegenden Gespräch berichtet sie, wie radikale Regeln, Angst und Gruppendruck ihre Kindheit und Jugend geprägt haben. Die Verehrung der Familie Sasek gehörte ebenso zu ihrer Lebenswelt wie problematische Bezüge zum Nationalsozialismus und zu Adolf Hitler.

    Sie erzählt von ihrem Aufwachsen in der Gemeinschaft, den Erfahrungen, die sie geprägt haben, ihrem Ausstieg und dem schwierigen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Ihr Bericht macht deutlich, wie sehr totalitäre Gruppen das Denken, Fühlen und Handeln ihrer Mitglieder beeinflussen können – und wie herausfordernd es ist, sich aus solchen Strukturen zu lösen.

    Zum Gespräch mit Susanna auf YouTube

    Weiterführende Informationen zur OCG und zu Ivo Sasek

    Weitere Informationen zur OCG und unserer Aufklärungsarbeit finden Sie auf unserer Homepage.

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    Quelle: Youtube, https://youtu.be/NCk2HWl9pco?is=y40yb117GAgzUc6r
  • Zwei neue Videos

    Warum glauben Menschen an Verschwörungstheorien?

    Geheime Mächte, verborgene Drahtzieher und angeblich geheime Wahrheiten: Verschwörungstheorien bieten einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge. Sie versprechen Orientierung in einer unübersichtlichen Welt – und können zugleich Misstrauen schüren, Menschen radikalisieren und sie immer tiefer in geschlossene Weltbilder führen.

    Doch warum sind solche Erzählungen für manche Menschen so überzeugend? Welche psychologischen und gesellschaftlichen Faktoren spielen eine Rolle? Und wie lässt sich damit umgehen, wenn Angehörige oder Freunde zunehmend an Verschwörungserzählungen glauben?

    Der Skeptix-Beitrag stellt zwei Videos vor, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. In einem Gespräch mit dem Sozialpsychiater Prof. Thomas Bock erläutert Prof. Michael Butter, ein ausgewiesener Experte zum Thema Verschwörungstheorien, Hintergründe und mögliche Wege, wie dem Phänomen gesellschaftlich, politisch und im persönlichen Umfeld begegnet werden kann. Ein weiteres Video widmet sich den psychologischen Mechanismen hinter dem Glauben an Verschwörungstheorien.

    Für unsere Arbeit ist das Thema besonders relevant: Verschwörungsideologien können Menschen in abgeschlossene Deutungswelten und extreme Gruppen führen, bestehendes Misstrauen verstärken und manipulative Bindungen begünstigen. Umso wichtiger sind kritisches Denken, wissenschaftlich fundierte Information und ein Gespräch, das Menschen nicht vorschnell abschreibt.

    Zum Beitrag auf Skeptix

    Weitere Informationen auf unserer Homepage:
    Verschwörungstheorien – unser Lexikon

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  • Interessanter Studientag

    Halloween, Rauhnächte und Esoterik: Wenn alte Bräuche neue Bedeutungen erhalten

    Rauhnächte, Räucherrituale und andere Bräuche erleben eine neue Popularität. Sie stehen für die Suche nach Identität, Beheimatung, Ritualen und Selbstwirksamkeit. Doch was steckt hinter diesen Praktiken? Wo liegen ihre volkskundlichen Wurzeln, und wie unterscheiden sich christliche Volksfrömmigkeit, neuheidnische Deutungen und esoterische Vorstellungen?

    Der Skeptix-Beitrag von Bernd Harder stellt einen Studientag des Fachbereichs Religiöse Sondergemeinschaften und Weltanschauungsfragen im Bistum Augsburg vor, der sich mit diesen Fragen beschäftigt. Unter dem Titel „Altes Erbe – neuer Geist? Bräuche im Spannungsfeld von Volksfrömmigkeit und Zeitgeist“ beleuchten die Ethnologin Wibke Reimer und die Religionswissenschaftlerin Judith Bodendörfer die Hintergründe und die heutige Gestaltung traditioneller Bräuche.

    Aus Sicht der Aufklärung über religiöse und weltanschauliche Strömungen ist besonders interessant, welche Bedürfnisse solche Rituale ansprechen und warum manche Menschen ihre Antworten eher in neu interpretierten spirituellen Praktiken als in kirchlich geprägten Traditionen suchen. Dabei lohnt es sich, kulturelles Erbe, persönliche Sinnsuche und esoterische Heilsvorstellungen differenziert zu betrachten.

    Der erste Studientag findet am 21. November 2026 statt und widmet sich den Bräuchen zwischen Dezember und März. Der zweite Teil folgt am 6. März 2027 und behandelt den Zeitraum von April bis November. Die Teilnahme ist kostenlos und auch online möglich.

    Zum Beitrag bei Skeptix

    Informationen und Anmeldung zum Studientag

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  • Zwischen Dekoration und Wirklichkeit

    Klarstellung des Vatikan zu vermeintlichen Ritterorden

    Imposante Titel, wohlklingende Namen und prächtige Uniformen – doch was steckt tatsächlich dahinter? Bei vermeintlichen Ritterorden liegen Anspruch und Wirklichkeit mitunter weit auseinander. Kostüme, Ordensinsignien und hochtrabende Titel vermitteln einen Eindruck von Tradition und Bedeutung.  Einige Gemeinschaften engagieren sich zwar auch sozial. Doch karitative Aktivitäten allein sind noch kein Beleg für kirchliche Anerkennung oder historische Legitimität.

    Entscheidend ist die Klarstellung des Vatikans: Nicht jede Gemeinschaft, die sich auf christliche Werte, historische Rittertraditionen oder die katholische Kirche beruft, wird vom Heiligen Stuhl anerkannt. Äußere Insignien, Titel und feierliche Zeremonien dürfen nicht mit einer offiziellen kirchlichen Legitimation verwechselt werden.

    Hinzu kommen zahlreiche Abspaltungen, Plagiate und Streitigkeiten um Namen, Traditionen und vermeintliche historische Ansprüche. Gerade Templerorden unterschiedlichster Art tummeln sich in diesem Umfeld. Der Name der mittelalterlichen Tempelritter und ihre Geschichte scheinen eine besondere Anziehungskraft auszuüben – nicht selten unabhängig davon, ob die behaupteten Verbindungen historisch haltbar sind.

    Problematisch wird es insbesondere dort, wo sich solche Gruppierungen mit esoterischen Vorstellungen verbinden oder Verflechtungen in das rechtsextreme Milieu aufweisen. Hier lohnt ein genauer Blick auf die vertretenen Weltbilder, die ideologischen Bezüge und die Netzwerke hinter den eindrucksvollen Fassaden. Historische Mythen, Verschwörungserzählungen und vermeintliches Geheimwissen können dabei ebenso eine Rolle spielen wie nationalistische oder rechtsextreme Ideologien. Solche Verbindungen müssen im jeweiligen Einzelfall anhand konkreter Belege geprüft werden.

    Umberto Eco hat die Neigung, vermeintliche Zusammenhänge überall bestätigt zu sehen, in seinem Roman Das Foucaultsche Pendel treffend beschrieben:

    „Der Irre hat eine fixe Idee und sieht sie durch alles, was er findet, bestätigt. Den Irren erkennt man an der Freiheit, die er sich gegenüber der Beweispflicht nimmt, an der Bereitschaft, überall Erleuchtungen zu finden. Und es mag Ihnen komisch vorkommen, aber der Irre zieht früher oder später immer die Templer aus dem Hut.“

    „Immer?“

    „Es gibt auch Irre ohne Templer, aber die mit Templern sind die gefährlichsten.“

    Eco formuliert literarisch zugespitzt, worauf es bei der kritischen Betrachtung solcher Gruppierungen ankommt: Wo vermeintliche historische Geheimnisse, große Traditionen und weitreichende Behauptungen ins Spiel kommen, müssen die Belege umso genauer geprüft werden. Faszination und eindrucksvolle Inszenierung ersetzen keine überprüfbaren Fakten.

    Quellen und weiterführende Informationen

     

    Weitere Informationen auch im Skeptix-Blog:

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