Esoterik
Völkische Esoterik im Klassenzimmer: Wie die Anastasia-Bewegung versucht, Einfluss auf Bildung und Gesellschaft zu gewinnen

Neue Recherchen der „Ostsee-Zeitung“ zeigen erneut, wie gefährlich und anschlussfähig die sogenannte Anastasia-Bewegung inzwischen geworden ist.[1] Unter dem Deckmantel von Naturverbundenheit, alternativen Lebensformen, spiritueller Selbstfindung und reformpädagogischen Konzepten verbreitet die aus Russland stammende Bewegung seit Jahren verschwörungsideologische, antisemitische und völkische Inhalte.[2]

Im aktuellen Fall soll es Versuche gegeben haben, Einfluss auf eine geplante Naturschule in Mecklenburg-Vorpommern zu nehmen. Dabei ging es unter anderem um die Verbreitung der sogenannten „Schetinin-Pädagogik“, eines umstrittenen Bildungsmodells aus Russland.[1] Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren davor, dass die Anastasia-Bewegung gezielt alternative Bildungsprojekte, Siedlungsinitiativen und spirituelle Milieus anspricht, um ihre Ideologie gesellschaftlich zu verankern.[3] Laut Verfassungsschutz bestehe die Gefahr einer ideologischen Indoktrination von Kindern und Jugendlichen.[1]

Besonders problematisch sind die antisemitischen Narrative, die sich durch die Anastasia-Literatur und viele Anhängerkreise ziehen.[2] Grundlage der Bewegung ist die Buchreihe „Die klingenden Zedern Russlands“ des russischen Autors Wladimir Megre. In diesen Schriften werden klassische antisemitische Verschwörungsmythen verbreitet, etwa die Vorstellung geheimer Mächte, die angeblich Politik, Religion und Gesellschaft kontrollieren würden.[2] Immer wieder werden dabei jüdische Menschen oder das Judentum indirekt oder offen als manipulative Kraft dargestellt. Fachstellen und Wissenschaftler ordnen diese Inhalte deshalb klar als antisemitisch ein.[4]

Die Anastasia-Ideologie verbindet Esoterik mit völkischem Denken. Verbreitet werden Vorstellungen einer angeblich ursprünglichen, „reinen“ Menschheit oder „wedrussischen“ Abstammung, verbunden mit Blut-und-Boden-Ideologie, Naturmystik und einer Ablehnung moderner pluralistischer Gesellschaften.[3] Expertinnen und Experten sehen darin deutliche Parallelen zu rechtsextremen und antisemitischen Weltbildern.[4]

Gerade die Mischung aus Spiritualität, alternativer Pädagogik, Selbstversorgung, Naturromantik und Verschwörungsideologien macht die Bewegung für viele Menschen zunächst schwer erkennbar. Kritiker warnen deshalb davor, die Anastasia-Bewegung als harmlose Öko- oder Aussteigerbewegung zu unterschätzen.[4] Hinter der friedlichen Fassade verbergen sich häufig antidemokratische, wissenschaftsfeindliche und antisemitische Denkmuster.

Quellen

  1. „OZ-Undercover-Recherche deckt Schulunterwanderung in MV auf: ‚Sie wollen Kinder indoktrinieren‘“, Ostsee-Zeitung, 18.05.2026

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  2. Initiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus: „Die Anastasia Bewegung als Beispiel für esoterischen Weltanschauungsextremismus“

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  3. Weitere Informationen zur Anastasia-Bewegung auf sektenwatch.de

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  4. Herder Korrespondenz: „Ahnenwissen und Zedernprodukte – Die Anastasia-Bewegung verbreitet antisemitisches Gedankengut“

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